SAP hat seine KI-Strategie 2025 von einzelnen Assistenzfunktionen auf ganze Geschäftsprozesse ausgeweitet. Im Mittelpunkt steht Joule: Der eingebettete KI-Assistent soll Fragen beantworten, Daten aus mehreren Systemen verknüpfen und zunehmend spezialisierte Joule Agents koordinieren. SAP stellte am 20. Mai 2025 unter anderem Produktivitätsgewinne von bis zu 30 Prozent in Aussicht – eine Unternehmensprognose, kein unabhängig belegter Durchschnittswert. Entscheidend für Kunden sind deshalb weniger die Zahl der angekündigten Agenten als Datenqualität, Integration, Berechtigungen und ein kontrollierter Automatisierungsgrad.
Was SAP unter Business AI und KI-Workflows versteht
SAP beschreibt Business AI nicht nur als Textgenerator oder Suchfeld. Die KI soll direkt in operative Abläufe eingebettet werden: Ein Beschäftigter stellt eine Frage in natürlicher Sprache, Joule nutzt den Kontext der geöffneten Anwendung, analysiert berechtigte Unternehmensdaten und schlägt eine Aktion vor. Je nach Szenario kann ein Agent Informationen aus mehreren Systemen abrufen, einen Vorgang vorbereiten oder einzelne Schritte nach definierten Regeln ausführen.
Die Begriffe lassen sich so unterscheiden:
- Chatbot: beantwortet einzelne Fragen.
- Copilot: unterstützt eine konkrete Aufgabe, etwa eine Zusammenfassung oder einen Textentwurf.
- KI-Agent: plant und bearbeitet mehrere zusammenhängende Schritte.
- KI-Workflow: verbindet Agenten, Daten, Regeln, Anwendungen, Freigaben und Protokollierung zu einem Geschäftsprozess.
SAP nennt diesen Ansatz eine Verbindung von Assistenten und Agenten, die auch SAP- und Nicht-SAP-Systeme einbeziehen kann (SAP-Dokumentation zu Joule). Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Prozess autonom abläuft. Bei Zahlungen, Personalentscheidungen, Lieferkettenänderungen oder Compliance-relevanten Vorgängen bleiben Berechtigungen, Freigaben und menschliche Kontrolle erforderlich.
Welche Rolle Joule spielt
Joule ist die sichtbare Benutzeroberfläche von SAPs KI-Strategie. Es soll in verschiedenen Cloud-Anwendungen auftauchen und unter anderem Geschäftsfragen beantworten, Inhalte erstellen oder bearbeiten, Kennzahlen zusammenfassen, Empfehlungen geben und Aktionen vorbereiten. Komplexere Aufgaben können an spezialisierte Agenten übergeben werden.
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Die konkrete Nutzung hängt vom SAP-Produkt, Release, Vertrag, Rechenzentrum und den Rollen des Nutzers ab. SAP weist selbst darauf hin, dass KI-Services nur für bestimmte Cloud-Services und Regionen verfügbar sein können (Service-Spezifikationen und Regionen). Eine pauschale Aussage, Joule sei für alle Kunden weltweit oder automatisch kostenlos verfügbar, ist daher nicht belastbar.
Joule Agents: vom Assistenten zum Prozesshelfer
Joule Agents sind spezialisierte Agenten für definierte Geschäftsbereiche wie Vertrieb, Supply Chain, Finanzen, Einkauf, Personal, Customer Experience und Service. Ihr Unterschied zu einem einfachen Assistenten liegt in der Koordination mehrerer Prozessschritte und dem Zugriff auf Geschäftsdaten und Regeln.
SAP kündigte außerdem einen geführten No-Code-Ansatz für kundenspezifische Agenten an (Ankündigung zu Joule Agents). In der Praxis gibt es drei Ausbaustufen:
- Vorgefertigte SAP-Agenten: schneller startklar, aber auf definierte Aufgaben und Konfigurationen begrenzt.
- Konfigurierte Agenten: an eigene Daten, Rollen und Geschäftsregeln angepasst.
- Eigene Agenten und Skills: flexibel, aber mit höherem Entwicklungs-, Test-, Sicherheits- und Betriebsaufwand.
Die technische Grundlage hinter Joule
SAP Business Technology Platform
Die SAP Business Technology Platform (BTP) ist die Integrations- und Erweiterungsschicht. Sie wird relevant, wenn Agenten APIs aufrufen, Nicht-SAP-Systeme anbinden, eigene Geschäftslogik verwenden oder individuelle Skills ausführen. Dafür müssen Konnektoren, Destinations, Zertifikate, Service Keys, Rollen und Fehlerbehandlung eingerichtet werden. SAP-Unterlagen zeigen, dass eigene Business-AI-Funktionen administrative Vorarbeiten erfordern (BTP- und Business-AI-Leistungsumfang).
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SAP Business Data Cloud
Die Business Data Cloud soll Daten aus unterschiedlichen SAP-Kontexten harmonisieren und für Analysen und KI bereitstellen. Ohne konsistente Stammdaten, einheitliche Geschäftsobjekte und belastbare Berechtigungen liefert auch ein leistungsfähiges Modell nur einen unvollständigen Geschäftskontext.
Rank #2
SAP Knowledge Graph
Der Knowledge Graph soll Beziehungen zwischen Geschäftsobjekten, Prozessen und Daten abbilden. Damit kann eine KI Zusammenhänge – etwa zwischen Auftrag, Kunde, Lieferung und Rechnung – besser berücksichtigen, statt nur einzelne Dokumente zu durchsuchen.
AI Foundation, Signavio und LeanIX
SAP bezeichnet die AI Foundation als technische Basis, die Modelle, Daten, Anwendungen und Entwicklungsfunktionen zusammenführt (SAP zu Business-AI-Innovationen). Signavio hilft bei Prozessmodellierung und -analyse; LeanIX soll Anwendungen, Fähigkeiten und künftig auch Agenten einer Unternehmensarchitektur zuordnen. Ein AI Agent Hub in LeanIX war für das vierte Quartal 2025 angekündigt (Partnerschaften und Agent Hub). Prozessanalyse ist dabei nicht dasselbe wie autonome Ausführung.
Welche Funktionen und Produkte 2025 angekündigt wurden
| Bereich | Ankündigung | Statusangabe | Wichtige Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Joule und Agenten | Breitere Einbettung in Cloud-Anwendungen und Ausbau des Agentennetzwerks | Strategische Sapphire-Ankündigung vom 20. Mai 2025 | Produkt, Edition, Vertrag und Region bestimmen die Nutzung |
| Analytik | Fragen in natürlicher Sprache sowie Kennzahlen und Diagramme | Im Innovation Guide beschrieben | Datenzugriff und Berechtigungen begrenzen den Kontext |
| Customer Experience | Joule in SAP Service Cloud und Enterprise Service Management | Für das dritte Quartal 2025 geplant | Geplanter Termin ist keine weltweite allgemeine Verfügbarkeit |
| Field Service | KI-Unterstützung für Planung und Disposition | Bis Ende 2025 vorgesehen | Release und regionale Freigabe prüfen |
| LeanIX | AI Agent Hub zur Orientierung an Prozessen und Fähigkeiten | Für das vierte Quartal 2025 angekündigt | Verfügbarkeit und Lizenzierung separat klären |
| Umfang | Mehr als 400 KI-Szenarien und 1.600 Joule-Funktionen | SAP-Zielgröße für Ende 2025 | Nicht jede Funktion muss weltweit, in jeder Edition oder für jeden Kunden verfügbar sein |
Die Produktankündigungen für Analytik, Field Service und Customer Experience sind im SAP Innovation Guide beschrieben. SAPs zentrale Sapphire-Darstellung findet sich in der deutschen Mitteilung und der internationalen Übersicht.
Typische Einsatzfälle – und was dafür nötig ist
Finanzen
Ein Agent kann Abweichungen analysieren, Belege zusammenfassen oder eine Buchung zur Freigabe vorbereiten. Er benötigt aktuelle Finanzdaten, klare Kontierungsregeln und eine Vier-Augen-Kontrolle für kritische Buchungen.
Supply Chain
Ein Workflow kann Bestände, Liefertermine und Aufträge systemübergreifend abgleichen und eine Umplanung vorschlagen. Fehlende Lieferanten- oder Materialdaten, API-Ausfälle und lokale Sonderregeln sind häufige Störquellen.
Rank #3
Vertrieb und Customer Service
Joule kann Kundenhistorien zusammenfassen, nächste Schritte empfehlen oder Servicefälle klassifizieren. Preis-, Vertrags- und Personendaten dürfen dabei nur entsprechend der Nutzerrolle sichtbar sein.
Personalwesen
Agenten können Richtlinien erklären oder HR-Vorgänge vorbereiten. Personalentscheidungen und sensible Daten erfordern besonders enge Zugriffsrechte, Nachvollziehbarkeit und menschliche Entscheidung.
Analytik
Natürlichsprachliche Fragen senken die Einstiegshürde für Kennzahlen. Das Ergebnis bleibt aber nur so verlässlich wie Definitionen, Stammdaten, Zeiträume und die zugrunde liegenden Datenquellen.
Voraussetzungen für einen belastbaren Einsatz
- Prozessreife: wiederholbare Abläufe, eindeutige Rollen, dokumentierte Ausnahmen und messbare Ergebnisse.
- Datenqualität: vollständige Stammdaten, konsistente Geschäftsobjekte und widerspruchsfreie Quellen.
- Integration: unterstützte APIs, BTP-Konnektivität, Identitätsmanagement und definierte Wiederholungs- und Fehlerlogik.
- Berechtigungen: Joule darf weder mehr Daten sehen noch mehr Aktionen ausführen als der jeweilige Nutzer oder Service.
- Governance: Protokollierung von Eingaben, Entscheidungen und Aktionen, Notfallabschaltung, Aufbewahrung und Verantwortlichkeiten.
- Compliance: Datenschutz, EU-KI-Verordnung und branchenspezifische Regeln müssen in die Prozessgestaltung einfließen.
Risiken und Grenzen
Falsche Antworten oder Aktionen
Ein Agent kann eine plausible, aber falsche Antwort erzeugen oder eine fehlerhafte Aktion vorbereiten. Für Zahlungen, Personalmaßnahmen, Lieferkettenentscheidungen und Compliance-Prozesse sind deshalb Freigaben, Regelprüfungen und Plausibilitätskontrollen nötig.
Unvollständiger Kontext
Fehlt der Zugriff auf ein relevantes System, kann das Ergebnis überzeugend wirken und dennoch nur einen Teil des Sachverhalts abbilden.
Systemübergreifende Komplexität
„Systemübergreifend“ bedeutet nicht „ohne Integrationsprojekt“. Drittsysteme können zusätzliche Middleware, API-Entwicklung, Zertifikate, Lizenzen, Monitoring und Fehlerbehandlung erfordern.
Verfügbarkeit und Bindung an SAP
Funktionen können von Edition, Release, Sprache, Cloud-Service und Rechenzentrum abhängen. Eine enge Bindung an SAP-Datenmodelle und BTP vereinfacht die Integration, kann aber einen späteren Plattformwechsel erschweren.
Independent reader supportYour contribution helps us test, update, and keep practical guides available for everyone.Wirtschaftlichkeit und Kaufentscheidung
Eine allgemein gültige öffentliche Komplettpreisliste für Joule ist nicht ersichtlich. Die Kosten hängen typischerweise von SAP-Produkt und Edition, Vertrag, Nutzer- oder AI-Volumen, BTP-Nutzung, Datenaufbereitung, Integration, Beratung und laufender Governance ab. Unternehmen sollten daher keinen pauschalen Nutzer- oder Monatspreis annehmen.
Für die Wirtschaftlichkeit zählen eingesparte Bearbeitungszeit, Fehlerquote, Durchlaufzeit, Eskalationen und Automatisierungsgrad – abzüglich Lizenz-, Integrations- und Betriebskosten. SAPs „bis zu 30 Prozent“ sollten durch eigene Vorher-nachher-Kennzahlen ersetzt werden.
So gelingt ein kontrollierter Pilot
- Wählen Sie einen klar abgegrenzten, wiederholbaren Prozess mit messbarem Ergebnis.
- Erfassen Sie eine Baseline für Zeit, Fehler, Durchlauf und manuellen Aufwand.
- Prüfen Sie Datenquellen, Rollen, APIs und regionale Produktverfügbarkeit.
- Starten Sie mit lesendem Zugriff oder vorbereiteten Aktionen und menschlicher Freigabe.
- Testen Sie fehlende Daten, Timeouts, doppelte Aktionen, Ausnahmen und manuelle Übersteuerung.
- Automatisieren Sie erst nach nachgewiesener Qualität innerhalb definierter Grenzen.
Einordnung für SAP-Kunden
SAPs 2025er Strategie ist weniger „ChatGPT im ERP“ als der Versuch, eine KI-Schicht über Geschäftsdaten und Geschäftsprozesse zu legen. Für bestehende SAP-Cloud-Kunden mit standardisierten Abläufen kann Joule ein naheliegender Einstieg sein. Unternehmen ohne belastbare Daten, klare Prozesse oder Integrationsbudget sollten zuerst diese Grundlagen schaffen. Im Rückblick bezeichnet SAP die Entwicklung als Schritt zum „Autonomous Enterprise“ (SAP Autonomous Enterprise); das beschreibt die Zielrichtung, nicht eine automatisch vollständig autonome Prozesssteuerung bei jedem Kunden.
Partnerschaften mit Perplexity und Palantir erweitern das Ökosystem, sind aber kein Beleg dafür, dass jede Integration bereits allgemein verfügbar ist (SAP zu Business-AI-Partnerschaften; SAP India zur Sapphire-Ankündigung). Vor einer Entscheidung sollten Unternehmen deshalb immer den konkreten Cloud-Service, die Region, den Vertrag, die Datenflüsse und die Verantwortlichkeit für Modell- und Aktionsqualität prüfen.
Frequently Asked Questions
Ist Joule 2025 automatisch in jedem SAP-Vertrag enthalten?
Nein. Umfang, Lizenzierung und Verfügbarkeit hängen vom SAP-Produkt, der Edition, dem Vertrag, dem Cloud-Service und der Region ab.
Kann ein Joule Agent eigenständig Zahlungen oder Personalentscheidungen ausführen?
Das sollte nicht pauschal angenommen werden. Für kritische Vorgänge sind Rollen, Regelprüfungen, Protokollierung und in der Regel eine menschliche Freigabe erforderlich.
Was ist der sinnvollste erste SAP-KI-Anwendungsfall?
Ein klar definierter, wiederholbarer Prozess mit strukturierten Daten und messbarer Baseline – zunächst mit lesendem Zugriff oder Freigabeschritt.
The Tool Desk
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