Philips kündigte im Dezember 2002 die Übernahme des Dresdner Halbleiterunternehmens Systemonic an und schloss sie laut späterem Geschäftsbericht bereits am 31. Dezember 2002 ab. Systemonic brachte eine reconfigurierbare, softwareprogrammierbare DSP-Architektur sowie WLAN-Technik für 802.11a/b/g ein. Philips wollte diese Fähigkeiten in seine Nexperia-System-on-Chip-Plattform integrieren – unter anderem für Heim- und Unternehmens-Gateways.
Was Systemonic entwickelte
Systemonic war ein 1999 gegründetes Dresdner Spin-off der TU Dresden. Die Hochschule nennt Professor Gerhard Fettweis als Mitgründer und berichtet, dass Philips das Unternehmen bis Januar 2003 übernommen hatte.
Technisch lag der Schwerpunkt auf einer reconfigurierbaren und softwareprogrammierbaren Digital-Signal-Processing-Architektur (DSP). Eine solche Architektur kann per Software an neue Verfahren und Standards angepasst werden, statt für jede Änderung eine vollständig neue Hardwareentwicklung zu erfordern.
WLAN für 802.11a/b/g
Die zeitgenössischen Berichte ordneten Systemonics Produkte den WLAN-Standards 802.11a, 802.11b und 802.11g zu. Vorgesehen waren Anwendungen für schnelle drahtlose Datenverbindungen sowie für Sprach-, Audio- und Videoübertragung. Philips plante, Systemonics Produkte und geistiges Eigentum in die Nexperia-SoC-Plattform aufzunehmen.
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Historische Leistungsangaben
EDN gab 2002 Unternehmensangaben von bis zu 70 Metern Reichweite und bis zu 72 Mbit/s Durchsatz wieder. Diese Werte stammen von Systemonic und sind keine unabhängigen Messungen oder heutigen WLAN-Vergleichswerte. Die Quellen nennen außerdem keine konkreten späteren Endprodukte, aus denen sich ein Markterfolg ableiten ließe.
Warum Philips Systemonic übernehmen wollte
Philips sah in der Übernahme eine Ergänzung seiner Strategie für leistungsfähige drahtlose Verbindungen und das sogenannte „Connected Home“. Als mögliche Einsatzfelder wurden Heim- und Unternehmens-Gateways genannt.
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Reprogrammierbarkeit als strategischer Vorteil
Paul Marino, General Manager der Connectivity Business Unit bei Philips Semiconductors, beschrieb Systemonic als „a reconfigurable and software-programmable computing architecture“ und erklärte, sie sei geeignet, „to track the evolution of standards“. Gemeint war die Möglichkeit, die Funkverarbeitung an sich wandelnde Standards anzupassen.
Integration statt Einzelbaustein
Der Wert lag aus Philips’ Sicht nicht nur in einem einzelnen Funkchip. Durch die Einbindung in Nexperia sollte die WLAN- und DSP-Funktionalität Teil einer integrierten System-on-Chip-Plattform werden. Phil Pollok, Senior Vice President der Emerging Businesses Unit, sagte, die Übernahme ergänze Philips’ Vision des „connected home“.
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Wann wurde die Übernahme abgeschlossen?
| Datum | Ereignis | Einordnung |
|---|---|---|
| 19. Dezember 2002 | EE Times berichtet über Philips’ Übernahmeabsicht. | Als erwarteter Abschluss wurde das erste Quartal 2003 genannt. |
| 20. Dezember 2002 | EDN meldet eine definitive Vereinbarung. | Auch dort wurde ein Abschluss im ersten Quartal 2003 erwartet; finanzielle Bedingungen wurden nicht offengelegt. |
| 31. Dezember 2002 | Philips weist den Abschluss der Akquisition im späteren Geschäftsbericht aus. | Damit wurde die frühere Prognose durch den tatsächlich berichteten Abschluss überholt. |
Was ist über den Kaufpreis bekannt?
Die geprüften zeitgenössischen Berichte nennen keinen Kaufpreis. Zwei Zahlen aus Philips’ Rechnungslegung dürfen deshalb nicht als Kaufpreis interpretiert werden:
- 28 Millionen Euro Goodwill: Philips weist diesen Betrag im Zusammenhang mit einer 2003 vorgenommenen Bewertung aus, die im Geschäftsbericht 2004 erläutert wird.
- 8 Millionen Euro In-Process-Forschung und -Entwicklung: Dieser Betrag wurde als Aufwand erfasst, weil keine alternative künftige Nutzung angegeben wurde.
Beide Beträge beschreiben Bilanzpositionen beziehungsweise Aufwendungen, nicht den vereinbarten Transaktionswert.
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Wie groß war Systemonic?
EE Times schätzte die Belegschaft 2002 auf rund 90 Beschäftigte. Das war eine zeitgenössische Größenangabe für das damalige Unternehmen und keine Aussage über die spätere Organisation innerhalb von Philips.
Was die Übernahme nicht belegt
- Die angekündigte Integration in Nexperia beweist nicht, welche konkreten Philips-Produkte später tatsächlich auf den Markt kamen.
- Die Angaben von 70 Metern Reichweite und 72 Mbit/s sind keine unabhängigen Benchmarks.
- Aus Goodwill und Entwicklungsaufwand lässt sich kein Kaufpreis zurückrechnen.
- Die Quellen belegen die Transaktion und ihre strategische Begründung, nicht die langfristige Unternehmens- oder Produktentwicklung nach 2002.
Einordnung
Philips kaufte mit Systemonic vor allem anpassbare Funk- und DSP-Kompetenz. Die Dresdner Ausgründung passte zu einem Ansatz, bei dem WLAN-Funktionen in integrierte Chips für vernetzte Geräte eingebaut und per Software an neue Standards angepasst werden sollten. Der Abschluss erfolgte nicht erst 2003, sondern laut Philips’ späterer Berichterstattung am 31. Dezember 2002. Der Preis blieb in den herangezogenen Quellen offen.
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